addi-Schotter

Schotter: Eine Hommage à Georg Nees
Schotter (Original recoded, links), Schotter – Linien (Remix, Mitte), Schotter – Kreise (Remix, rechts)

Das Bild Schotter ist eine Ikone der Algorithmischen und Generativen Kunst. Es wurde vielfach Gegenstand des Recoding, es ist ein gern verwendetes Paradebeispiel in Kursen zur Digitalen Kunst und es war und ist Anregung für das Remixing mit vielen bildnerischen Varianten. Die originale Plotterzeichnung Schotter stammt von Georg Nees, einem der Pioniere der Computerkunst. Als Ingenieur und Mathematiker begann er etwa seit 1964 damit, eigene Algorithmen in der Sprache ALGOL zu programmieren, mit denen er seine Grafiken mit dem Plotter Zuse Graphomat Z64 zu Papier brachte. Er ist einer der Wenigen, die ihre Algorithmen, auf denen die ästhetischen Objekte beruhen, veröffentlicht haben.

Georg Nees nimmt einen ganz besonderen Platz in der frühen Computerkunst ein. Er war nicht nur einer der ersten, der solche Werke schuf und ausstellte, er war sich auch von Anfang an des innovativen Charakters seiner Grafiken bewusst: „Als ich sah, wie eine Figur nach der anderen unter dem Bleistift hervorspringt, lief es mir kalt den Rücken hinunter. Ich dachte: ‚Hier ist etwas, das nicht wieder verschwinden wird.‘ „. Er programmierte sie bewusst unter ästhetischen Gesichtspunkten und verstand sie als Modelle des künstlerischen Produktionsprozesses. In seiner Dissertation Generative Computergraphik (1969) behandelt er das Thema Computergraphik sowohl aus einer computerwissenschaftlichen als auch aus einer philosophisch-ästhetischen Perspektive.

Er führt mit konkreten Beispielen in seine Denkweise ein und veranschaulicht das Zusammenspiel von prozeduraler Abstraktion und (kontrolliertem) Zufall.

Was sehen wir? Das Schwarz-Weiß-Bild setzt sich aus lauter Quadraten mit einer festen Kantenlänge zusammen. Die Bildstruktur ist im Grunde sehr einfach: Schotter besteht aus 22 Reihen mit jeweils 14 Quadraten. In der ersten Reihe liegen die Quadrate unverdreht dicht nebeneinander. Von Reihe zu Reihe werden die Position und die Ausrichtung (Rotation) der Quadrate leicht verändert. Dabei steigert sich mit jeder Reihe allmählich das Ausmaß der Zufälligkeit bei der Rotation und der horizontalen sowie vertikalen Platzierung der Quadrate. Die Ordnung der Quadrate wird dadurch zunehmend gestört. Alle Quadrate sind transparent, weshalb die entstehenden Überlappungen immer sichtbar bleiben.

Das Bild Schotter ist ein Paradebeispiel für das Zusammenspiel von Ordnung und Unordnung durch (gelenkten) Zufall. Ein weiteres zentrales Element ist die Wiederholung, die sich in der wiederkehrenden Abfolge gleichartiger Bildelemente – wie hier von den Quadraten – manifestiert. Das Interessante ist, dass es sich ibeim Recoding und Remixing um das gleiche Programm handelt, bei dem lediglich alle Kennwerte programmintern gesteuert werden, etwa wie viele Reihen mit wie viel Quadraten gezeichnet werden, ob sie eingefärbt werden oder ob sie durch  Linienkombination ersetzt werden.

Für Frieder Nake ist das ein ganz zentraler Aspekt: die Algorithmen beschreiben nicht ein einzelnes Bild, sondern eine ganze Klasse von Bildern (letztlich unendlich viele). Das gezeigte Exponat ist dann immer nur ein Repräsentant dieser Klasse.


Durch Klick auf dieses Symbol in der Kopfleiste des Programms kommen Sie zum Programm-Code und können dort eigene Kennwerte für das Bild vorgeben.