addi-Punkt.Linie.Fläche

Punktüberlagerungen (links), Punkte zu Linien (Mitte), Flächenstapel (rechts)
J.Wedekind, 2026/2025/2023

Mit Punkt.Linie.Fläche nehmen wir direkten Bezug auf die theoretische Schrift Punkt und Linie zu Fläche von Wassily Kandinsky, 1926 erschienen und bis heute ein Standardwerk der Kunsttheorie. Er nimmt in dieser Schrift eine methodische Analyse grundlegender Gestaltungsmittel vor. Ziel ist eine Grammatik, die zu einer Theorie der Komposition führen sollte. Kandinsky griff darin häufig auf mathematische Begriffe zurück, um seine Ideen zu beschreiben (a.a.O, S. 86):

„(…) es fehlt uns heute an Ausmessungsmöglichkeiten, die aber über das Utopische hinaus dereinst früher oder später gefunden werden können. Von diesem Augenblicke an wird jede Komposition ihren Zahlenausdruck erhalten können, wenn dies auch vorerst vielleicht nur von ihrem Grundriß und von ihren größeren Komplexen gilt. (…) Erst nach der Eroberung des Zahlenausdruckes wird eine exakte Kompositionslehre, an deren Anfang wir heute stehen, ganz verwirklicht werden.

Für Kandinsky ist die methodische Zerlegung der Mittel der Weg zu einer umfassenden Synthese von Kunst und Wissenschaft. Das bildnerische Arbeiten mit dem Computer seit den 60er Jahren verwendet ähnliche Elemente, auf die sich Kandinsky in seiner Theorie bezog. Sein Versuch, mathematische Präzision in die Beschreibung künstlerischer Objekte zu bringen, klingt deshalb wie eine Vorwegnahme der auf Algorithmen basierenden Generativen Kunst. Die gezeigten Bilder sind der Versuch, die Ideen Kandinskys im Zeitalter der Digitaltechnik aufzugreifen und weiterzuführen.

  • Äußerlich kann der Punkt als die kleinste Elementarform bezeichnet werden, was aber nicht genau ist. Es ist schwer, die genauen Grenzen des Begriffes „kleinste Form“ zu ziehen – der Punkt kann wachsen, zur Fläche werden […] wo wäre dann die Grenze zwischen Punkt und Fläche? (Kandinsky, a.a.O.)

So arbeitet das Programm Punktüberlagerungen: Wir verstehen Punkte hier nicht im mathematischen Sinne: Ein Punkt hat keine Größe und ist eindimensional, das heißt, er hat weder Breite noch Länge noch Tiefe. Er bezeichnet lediglich eine eindeutige Position. Mit Objekten ohne jede Ausdehnung lassen sich allerdings schwerlich Bilder produzieren. Wir folgen deshalb der pragmatischen Sicht Kandinskys der „kleinsten Form“.
Die Punktgrößen können hier variieren; sie werden zu Scheiben. Die Bildstruktur kann durch die Anzahl der Punkte und ihre Farbe festgelegt werden. Durch die frei wählbare Transparenz der Punkte wird der aquarellhafte Charakter des Bildes erreicht.

  • Eine Linie ist ein Punkt, der spazieren geht. (Paul Klee, o.J.; kein Originalzitat, vermutlich formuliert im Rahmen seiner Lehrtätigkeit am Bauhaus 1921-1931).

So arbeitet das Programm Punkte zu Linien: Die Linien in Punkte zu Linien entstehen durch die Bewegung von 2000 Punkten, also als Spur ihres Spaziergangs: Für jede einzelne Linie in diesem Bild wird zufällig ein Startpunkt festgelegt und die Richtung, in der der Punkt sich bewegen wird. Die einzelnen Punkte bewegen sich dabei immer eine festgelegte Linienlänge geradeaus und gehen anschließend, ohne zu zeichnen, zu einer Ruheposition. Durch das übereinander zeichnen sehr vieler solcher Linien und Punkte entsteht der gitterförmige Eindruck.

Die Bildstruktur kann durch die Anzahl der Punkte (hier 2000), die Richtung der Bewegung der Punkte (zufällig festgelegt innerhalb vorgegebener Grenzen) und die Breite des Randes der dadurch entstehenden Linien festgelegt werden. Zusätzlich wird die Größe der Punkte im vorgegebenen Rahmen zufällig variiert. Die Farbe einer einzelnen Linie wird aus der gewählten Farbpalette (es stehen 42 Farbpaletten zur Verfügung) zufällig ausgewählt. Zusätzlich kann die Hintergrundfarbe eines jeden Bildes gesondert verändert werden.

  • So wie die Linie aus dem Punkt entsteht, so lässt sich die Fläche aus der seitlich über den Grund streichende Linie bilden. (Paul Klee, The Thinking Eye, 1956)

So arbeitet das Programm Flächenstapel: Neben der Breite des Bildrands kann im Programm auch die Grundfarbe der Linien festgelegt werden. Mit der Festlegung des Bereichs des gelenkten Zufalls für die Richtung der einzelnen Linien sowie der Liniendicke (wann sie dadurch also zur Fläche wird) kann der Bildeindruck deutlich verändert werden.

Durch Klick auf dieses Symbol in der Kopfleiste der Programme kommen Sie zum Programm-Code und können dort eigene Kennwerte für die Bilder vorgeben.